Die richtigen Trauben für Brienz

Die Rebbaugenossenschaft Gofri will ihren Weinberg vergrössern
Es gibt ihn schon, den Gofri-Wein, und bald soll es noch mehr davon geben: Kassier Theo Hofman, Marianne und Gerhard Fuchs, Verwaltungsratspräsident der Rebbaugenossenschaft. Foto: Anne-Marie Günter

Brienz liegt auf der Sonnenseite. Rebbau ist am Brienzersee zwar nicht unbedingt Tradition, doch seit einigen Jahren reifen hier Trauben. Namensgebend für die zuständige Genossenschaft ist der Flurname Gofri. 2017 hat sie den bestehenden Weinberg mit 200 Reben der Sorte Regent um 500 Reben der Rotwein-Sorte Divico vergrössert, und jetzt hat sie Land in der angrenzenden Parzelle Chummelen erhalten.

Das Land liegt in der Landwirtschaftszone und in einem Gebiet mit hoher Biodiversität. Zwei Teilparzellen in diesem Landstück würden sich für den Anbau von Reben eignen, und das entsprechende Baugesuch ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Rebmeister Werner Grossmann hat zusammengestellt, warum der Rebbau dort nachhaltig ist. «Je grösser die biologische Vielfalt, umso robuster sind die Reben gegen die Bedrohungen durch Krankheitserreger oder die Folgen der Klimaerwärmung.»

Die Gofri-Winzer seien dazu aufgefordert, die Vielfalt an Insekten, Reptilien, Vögeln, Blumen und Pflanzen in der Rebanlage zu erhalten und zu fördern. Es kann zum Beispiel darum gehen, Grasmutten nach der Anpflanzung wieder an die Ursprungsstelle zurückzubringen. Winzer gibt es im Gofri viele, denn viele der 56 Genossenschafterinnen und Genossenschafter arbeiten freiwillig im Rebberg mit. Aus dem ursprünglichen Weinberg gab es bereits Gofri-Wein, der in Oberhofen gekeltert wurde. Bei den 2017 angepflanzten Reben wartet man auf die Lese 2020.

Rot und weiss

Am Freitag lud der Vorstand mit Präsident Gerhard Fuchs zu einer Orientierungsversammlung ein. Kassier Theo Hofmann stellte das Finanzierungskonzept für die Erweiterung des Rebbergs vor. Bisher wurden rote Trauben angebaut, neu sollen es auch weisse werden. Gerechnet wird mit einem finanziellen Aufwand von 62’000 Franken.

Beteiligen könnten sich auch neue Genossenschafter, wobei die Genossenschaft bewusst nicht zu weit ausgedehnt werden soll. Gefragt zur finanziellen Mithilfe sind deshalb vor allem die bisherigen Genossenschafter. Richtig spannend wurde es am gut besuchten Anlass in der Pfrundschür, als es um die Auswahl der richtigen Rebsorte für die Zukunft ging. «Wir wollen möglichst wenig spritzen», sagte Gerhard Fuchs.

Anwesend waren der Arzt Andreas Schuster, der in Oberried einen Weinberg hat, und Didier Joris, ein sehr erfolgreiches Walliser Weinbau-Urgestein, der heute radikal auf biologischen Weinbau setzt. Er zeigte auf, wie hoch wissenschaftlich Weinbau heute ist. Mit vielen Kreuzungen versucht man, Trauben zu züchten, die resistent gegen Mehltau und falschen Mehltau sind, die aber trotzdem einen Wein mit einem schönen Bouquet hervorbringen.

Auch für das Gastgewerbe

Die Amateur-Winzer vom Brienzersee werden sich entscheiden müssen, welche Rebsorte sie wählen und auf die Unterlage aufpfropfen. Der Entschluss wird an der Hauptversammlung gefällt, wenn feststeht, dass die Finanzierung der 500 neuen Reben gesichert ist. Vorgesehen wäre in Zukunft, dass Detailhandel und die Gastgewerbe in Brienz bis ins Haslital Wein aus der Region, nachhaltig produziert auf heimischem Boden, anbieten können. Dafür braucht es, das zeigten die anwesenden Winzer, noch sehr viel Arbeit und vielleicht auch etwas Glück mit Boden, Wetter und richtiger Rebsortenwahl.

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